Kunststätte Bossard neu denken - Warum eigentlich?

In seiner Kreistagssitzung am 18.12.2019 hat der Kreistag mit breiter Mehrheit beschlossen, dass Projekt „Bossard neu denken – Kunsthalle der Lüneburger Heide“ durch einen Investitionszuschuss von 2 Mio. Euro zu unterstützen. Nachdem der Bund bereits eine Förderzusage von 5,36 Mio. Euro getätigt hat, ist durch den Kreistagsbeschluss ein weiterer Meilenstein für die Sicherstellung der Gesamtfinanzierung erreicht.

 

 

Der Bund wird im Jahr 2020 natürlich nicht nur die Kunststätte Bossard fördern: Insgesamt stehen mehr als 700 Einrichtungen, kulturelle Veranstaltungen und Baumaßnahmen mit einer Summe von 1,82 Mrd. Euro auf der Liste der Kulturförderung des Bundes.

 

Warum ist diese Maßnahme aus Sicht der Kreispolitik so wünschenswert bzw. erforderlich?

 

Der Landkreis Harburg hatte sich im Rahmen der 1995 gegründeten Stiftung unter anderem verpflichtet, die Unterhaltung und Präsentation der Kunststätte zu gewährleisten und die Kunststätte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Vor diesem Hintergrund ist es besorgniserregend, dass die Besucherzahlen der Kunststätte primär aufgrund mangelnder Bekanntheit kontinuierlich zurückgehen und es ist dringend erforderlich, neue Besuchergruppen zu erschließen, um die Kunststätte überhaupt erhalten zu können.

 

 

Damit dieses Ziel erreicht werden kann, hat der Stiftungsrat der Kunststätte Bossard den „Museumsmacher“ Prof. Dr. Rolf Wiese gebeten, hierzu eine Idee zu entwickeln. Herausgekommen sind die „Kunsthalle der Lüneburger Heide“ und viele neue Ideen für das Freigelände, die in der Präsentation „Bossard neu denken“ dargestellt werden.

 

 

Auf Basis dieser Präsentation, für die mit großer Mehrheit und fraktionsübergreifend im Kreistag Zustimmung signalisiert wurde, konnten die für die Realisierung erforderlichen Bundesmittel eingeworben werden.

 

 

 

Von der Projektidee zur Realisierung

 

Bis das Projekt realisiert werden kann, ist es noch ein langer Weg. Hierbei ist nicht nur die vollständige Finanzierung sicherzustellen. Auch der tatsächliche Umfang der Baumaßnahmen und der dazugehörigen Infrastruktur steht zum heutigen Zeitpunkt noch nicht fest – Kritikern des Projektes stellen diesen Punkt in der Öffentlichkeit gern anders dar.

 

 

Weder die Kunsthalle noch z.B. der Parkplatz sind in der vorgestellten Form bereits verabschiedet oder genehmigt. Hierzu wird es noch umfangreiche Beratungen zwischen Kreistag, dem Stiftungsrat, eines noch zu bildenden Ausschusses für das Projekt „Bossard neu denken“, der Gemeinde Jesteburg und den anzuhörenden Vereinigungen und Verbänden geben.

 

 

Die Bedeutung der Kunststätte Bossard

 

Auf einem ca. 3 ha großen Heidegrundstück, mitten im Wald gelegen, befindet sich ein einzigartiges Gesamtkunstwerk. Zwischen Jesteburg und Lüllau verwirklichten Johann Michael Bossard und seine Frau Jutta Bossard-Krull ihren Lebenstraum von einer Stätte, an der die verschiedenen Künste Architektur, Bildhauerei, Malerei, Kunstgewerbe und Gartenkunst zu einer Einheit verschmelzen. Sie arbeiteten bis zum Tode Johann Michael Bossards (1950) unermüdlich an diesem Werk. Dabei wurden nicht nur die verschiedenen Stile der Zeit aufgegriffen, sondern auch unterschiedliche und moderne Materialien verwendet. Heute ist die Kunststätte Bossard ein einzigartiger Ort, an dem expressionistische Wandmalerei und Raumausstattung im ursprünglichen Zusammenhang erhalten geblieben sind. Zu sehen sind die Ausstellungen im Neuen Atelier, der Kunsttempel sowie der Eddasaal und das Urgebraus im Wohn- und Atelierhaus.

 

2012 wurde die Kunststätte Bossard mit dem Kulturerbe-Preis der Europäischen Union ausgezeichnet. Der Europa-Nostra-Preis wurde vergeben für die Restaurierung der Wandtafeln des zweiten Tempelzyklus. Die Kunsthalle befindet sich damit in der guten Gesellschaft z.B. des Covent-Garden in London oder der Innenstadt von Straßburg!

Die Bossards in den 1930er-Jahren

 

Johann Bossard wollte mit seinem Gesamtkunstwerk auch einen Impuls zur Verbesserung der Lebensverhältnisse in den 1930-er Jahren geben.

 

Ob dieses utopische Anliegen das Künstlerehepaar Bossard in die Nähe der NS-Ideologie geführt hat, wurde in der Ausstellung „Über dem Abgrund des Nichts“ beantwortet. Vorausgegangen war ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, in dem die Befürchtungen einer NS-Belastung der Bossards transparent und belastbar ausgeräumt wurden.

 

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