Digitalisierung ist kinderleicht – man muss nur einfach machen!

Die Weihnachtsferien sind vorüber – doch statt täglich ihre Schulen zu besuchen, bleiben coronabedingt auch im Landkreis Harburg Tausende Jungen und Mädchen zu Hause, um den Unterricht unter Lockdown-Bedingungen zu absolvieren. Wie man in diesen Zeiten ein halbwegs normales Lernumfeld bewahren kann, zeigt jetzt eine Elterninitiative aus Buchholz. Dort haben fünf Familien ein Konzept entwickelt, um den Ausfall des Präsenzunterrichts so gut wie möglich aufzufangen. Und zwar selbst dann, wenn eine Schule noch nicht alle erforderlichen digitalen Kanäle bereitstellen kann.

 

Über kurze Videokonferenzen strukturieren die Fünftklässler jeden Morgen aufs Neue selbst ihren Tag. „In der Früh besprechen sie beim gemeinsamen Check-in das Pensum, mittags schauen sie dann beim Check-out auf das Geschaffte zurück und besprechen eventuelle Schwierigkeiten und Lücken. In der Zeit zwischen den beiden Konferenzen werden zudem oft Aufgaben gemeinsam in Zweier- und Dreier-Teams gelöst“, erklärt Frank Thöle-Pries, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Harburg-Land (MIT). Sein elfjähriger Sohn Philipp Louis gehört der selbstorganisierten Lerngruppe an.

 

Wichtig ist Thöle-Pries dabei, dass man bei solch neuen Formaten – seien sie nun durch Eltern oder durch Schulen initiiert – Mut zur Lücke zeigt. „Natürlich läuft auch in den Kleingruppen nicht alles optimal. Aber die Videokonferenzen müssen ja auch nicht perfekt sein.“ Es sei erst einmal egal, ob die Bildqualität stimmt und der Ton brillant ist. „Wichtig ist, dass die Kids im Lockdown unterrichtet werden. Nur dadurch lernen sie ihren Stoff und sie machen die Erfahrung, dass die digitale Welt normal ist“, so der MIT-Vorsitzende. Zudem bilde diese Art der Kommunikation am ehesten den ausgefallenen Unterricht nach, weil die Schüler hier auch ihre sozialen Kontakte leben können.

 

 

„In unserem Bildungssystem kann ein umfassender digitaler Unterricht in Form von Videokonferenzen aktuell noch nicht angeboten werden. Unsere Initiative soll nun genau dies abfedern“, sagt Frank Thöle-Pries. Gleichzeitig weist er aber darauf hin, dass diese Aufgaben in absehbarer Zeit von den Schulen gewährleistet werden müssten. „Wer glaubt, dass es ausreicht, an der Schule Informatik zu unterrichten, der irrt sich gewaltig. Die Wirtschaft ist darauf angewiesen, dass sie künftig Auszubildende und Absolventen findet, für die eine digitale Welt etwas ganz Normales ist.“ Andernfalls werde man in drei, fünf und zehn Jahren „Schulabsolventinnen und -absolventen haben, für die Digitalisierung und digitale Kommunikation etwas Befremdliches und Beängstigendes ist“.

 

Anderen Eltern macht Thöle-Pries Mut, die Selbststrukturierung des Lernalltags ebenfalls auszuprobieren. „Ich denke, dass dieses Beispiel Schule machen könnte. In der aktuellen Situation ist eine solche Eigeninitiative ein guter und gangbarer Weg. Wir freuen uns, wenn auch in anderen Klassen und auf anderen Schulen diesem Beispiel von Selbstorganisation gefolgt wird.“