Veranstaltung zum Tag der Deutschen Einheit 2016

„Am 3. Oktober 1990 haben wir in Deutschland einen der glücklichsten Momente unserer Geschichte erlebt. In Frieden und Freiheit konnten wir die wiedererlangte Einheit unseres Vaterlandes feiern – und damit den glücklichen Ausgang der friedlichen Revolution in der DDR. Wir Christdemokraten haben auch dann noch am Ziel der Deutschen Einheit festgehalten, als viele den Auftrag des Grundgesetzes bereits als ein utopisches Vorhaben aufgegeben hatten. Am vergangenen Montag haben wir den 26. Tag der Deutschen Einheit gefeiert...“, soweit Ulf Thiele – Generalsekretär der CDU Niedersachsen.

 

Auch wir im Landkreis Harburg haben den 03. Oktober wieder mit einer Veranstaltung im Marstall in Winsen gewürdigt.

Bei der nun schon 16. Veranstaltung dieser Art konnten wir Katrin Behr – Buchautorin, Opfer von Zwangsadoption in der DDR und Gründerin/Vorsitzende des 2008 gegründeten Vereins „Hilfe für die Opfer von DDR-Zwangsadoption“ - begrüßen. Frau Behr lass aus ihrem Buch „Entrissen – Der Tag, an dem die DDR mir meine Mutter nahm“.  Eine lange und zum Teil sehr emotionale Diskussion um das Schicksal der vielen betroffenen Kinder und Eltern folgte.

Republik Flüchtlinge und s.g. Asoziale – für diesen Status reichte durchaus eine nicht angepasste Lebensführung, z.B. als alleinerziehende Mutter oder ohne geregelte Arbeit, aber auch nur eine kritische Haltung dem Staat gegenüber – konnten mit Hilfe eines wahren Gummiparagraphen des Strafgesetzbuches der DDR belangt werden:

 

Nach dem s.g. „Asozialenparagraphen“ 249 konnte mit bis zu 2 Jahren Gefängnis bestraft werden „...wer die öffentliche Ordnung und Sicherheit durch eine asoziale Lebensweise beeinträchtigt.“

 

Ca. 130.000 Verurteilungen soll es hiernach gegeben haben. Kinder der Verurteilten kamen zu Verwandten oder ins Heim und von dort aus zum Teil zu Adoptiveltern. Wie viele Fälle von Zwangsadoptionen es in der DDR gegeben hat, ist bis heute nicht völlig geklärt, fest steht lediglich, dass es in der DDR zwischen 1950 und 1991 75.000 Adoptionen gegeben hat. Bis 1990 soll für ca. 9 % davon keine Einverständniserklärung der Eltern vorgelegen haben – immerhin rund 7000 Schicksale. Aber auch Einverständniserklärungen wurden zum Teil schlicht erpresst, so berichtete die betroffene Mutter und stellvertr. Vorsitzende des Vereins OvZ-DDR e.V. Singora-Viola Greiner-Willibald.

 

Besonders tragisch: Gerichtlich zu belangen sind die Verantwortlichen nicht, denn im Einigungsvertrag wurde das DDR-Recht anerkannt – einzige Ausnahme, die Todesschüsse an der Grenze. Sie wurden als schwerwiegende Menschenrechtsverletzung gewertet – Zwangsadoption nicht.

 

Somit haben die Täter juristisch keine Gesetzte gebrochen. Daher unterliegen alle Adoptionsakten bundesdeutschem Archivrecht und sind damit für 60 Jahre geschlossen. Adoptierte Kinder – soweit sie es denn wissen - und ihre Adoptiveltern haben die Möglichkeit, Kontakt mit den leiblichen Eltern aufzunehmen. Umgekehrt gilt dies nicht.

 

Eindringliche Bitte von Frau Behr zum Abschluss: Mehr Sensibilität in den Ämtern und Behörden im Umgang mit suchenden Eltern und „Kindern“ sowie mehr Unterstützung seitens der Politik bei der Aufarbeitung dieses noch immer in weiten Teilen im Dunkeln liegenden Unrechts.