Gespächsabend zum neuen Schulgesetz

Rot-Grüne Schulgesetz-Novelle

Und nun? Wohin steuert jetzt die Bildung in Niedersachsen?

 

Unter diesem Motto hatte der CDU-Kreisverband im Juni nach Salzhausen zu einer Diskussionsrunde eingeladen. Mit rund 25 Elternvertretern, Schulleitern, Lehrern und weiteren Interessierten, diskutierten der Winsener Landtagsabgeordnete André Bock, der Vorsitzende des Kreiselternrates Pascal Zimmer, die Vorsitzende des CDU-Arbeitskreises ‚Schule’ Christiane Oertzen sowie die Kreisvorsitzende Britta Witte.

 

Einführend lobte Christiane Oertzen die vielfältige Schullandschaft im Landkreis Harburg. Der Kreis hat in den letzten Jahren Millionen in die Modernisierung und in den Neubau seiner Schulen investiert. Inzwischen verfügt der Landkreis über 9 Gymnasien, 9 Oberschulen (OBS), 3 Gesamtschulen (IGS) sowie 5 Realschulen, 3 Förderschulen und diverse Privatschulen. Die 46 Grundschulen werden von den jeweiligen Städten und Gemeinden getragen. „Schülern und Eltern stehen in unserem Landkreis die unterschiedlichsten Schulformen zur Verfügung. Jedes Kind kann damit individuell und bedarfsgerecht beschult werden. Durch die Schulgesetz-Novelle sehen wir diesen Standard zum Teil gefährdet“.

 

Trotz landesweiter Proteste und Petitionen mit über 140.000 Unterschriften wurde das neue Schulgesetz mit der Ein-Stimmen-Mehrheit von Rot-Grün im Landtag beschlossen und soll zum 01. August in Kraft treten.

 

Hauptkritikpunkte der CDU sind

  • die Einführung der IGS als ersetzende Schulform
  • die Abschaffung der Laufbahnempfehlung nach Klasse 4
  • Abschaffung der Förderschulen mit Schwerpunkt lernen
  • die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren (G9)

 

Gleich zu Beginn der Veranstaltung bedauerte die Kreisvorsitzende Witte die schnelle Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren: „Es gab gute Gründe für die Einführung des G8. Ich hätte mir gewünscht, dass das Modell verbessert und ausgearbeitet würde. Die bloße Rückkehr zum alten System, ohne ein Konzept zur inhaltlichen Gestaltung, vor allem aber ohne Antwort auf die Frage, wie leistungsstarke Schüler gefördert werden sollen, das ist rückwärtsgewandt und wirft neue Probleme auf.“

 

 

Diese wurden dann auch gleich deutlich, als André Bock über die Herausforderungen bei der Lehrerversorgung berichtete. Jüngst hatte das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg die Erhöhung der Unterrichtszeiten einseitig für Gymnasiallehrer um eine Stunde für verfassungswidrig erklärt. „Wenn ab 1. August die Arbeitszeit der Gymnasiallehrer wieder verkürzt wird, dann fehlen auf einen Schlag rund 740 Lehrerstellen in Niedersachsen“, so der Landtagsabgeordnete. Doch das ist noch nicht alles: Durch die Rückkehr zu G9 werden ab dem Jahr 2020 zusätzlich weitere rund 1500 Lehrer benötigt. Diese müssten bereits jetzt längst studieren!

 

              

So war auch eine der zentralen Forderungen seitens der anwesenden Schulleiter, eine genaue und fortlaufende Bedarfsanalysebezüglich der benötigten Lehrer, um bereits entsprechend Studienplätze zu besetzen, außerdem mehr Flexibilität bei der Besetzung von offenen Stellen.

 

 

 

Als weiteres Anliegen brachten die Lehrer und Schulleiter die Entlastung von der stetig steigenden Bürokratie in die Diskussion ein. Der Beruf des Schulleiters mutiere zunehmend zu einem ‚Unternehmens Manager’. „Hier stehen nicht mehr die Pädagogische Arbeit, die Betreuung von Schülern und Lehrerkollegium sowie die Entwicklung von eigenen Schulkonzepten im Vordergrund, zunehmend geht es nur noch um Verwaltungsarbeit,“ so einer der anwesenden Schulleiter.

 

 

 

Zur zeitgemäßen Ausstattung einer Schule gehört heute – auch an Gymnasien – ein Schulsozialarbeiter. In der letzten Legislaturperiode leitete die CDU-Regierung Mittel des Bundes hierfür an die Kommunen weiter. Rot-Grün behält seit 2013 diese Mittel ein und versprach umgehend ein neues Finanzierungskonzept. „Leider warten Kreis und Kommunen – die eine Finanzierung der bestehenden Schulsozialarbeit notgedrungen übergangsweise übernommen haben, um die laufenden guten Systeme nicht zusammenbrechen zulassen – bis heute auf dieses Konzept,“ so Britta Witte. Aus dem Landtag wusste André Bock zu berichten, dass nun angeblich Anfang 2016 mit einem entsprechenden Entwurf gerechnet werden kann. Er befürchtet: „In vielen Bereichen sitzt die Landesregierung Dinge aus. Neben der Schulsozialarbeit fehlt u.a. auch ein Konzept für die Unterstützung der Schulen beim Sprachunterricht. Hier werden finanzielle Hilfen – für die das Land zuständig ist! – absichtlich zurückgehalten, um vor den Landtagswahlen 2018 Geschenke verteilen zu können“.

 

 

Abschließend appellierte Pascal Zimmermann  aus Sicht der Elternschaft nochmals eindringlich für einen Bildungsfrieden: „Schule muss für alle da sein und sich an die Bedürfnissen der Kinder orientieren“. Eine Änderung der Schulstrukturen mit jedem Regierungswechsel schaffe nur Verunsicherungen bei allen Beteiligten und verhindere eine kontinuierliche Arbeit und Weiterentwicklung.